Hören ohne zu stören

Hören ohne zu stören Linealyzer Promatix Hören ohne zu stören Juergen Brag Philipp Spieß

 

"Dauer-EKG" hilft SMT-Linienschwächen aufzudecken

Auch wenn man glaubt, dass die eigene SMT-Linie optimal ausgelastet ist, wie sicher kann man da wirklich sein? Erst durch einen systematischen Produktivitätscheck kann man wirklich erfahren, ob nicht doch irgendwo verschenkte Potenziale schlummern oder gar der "Infarkt" droht: Der Elektronik-Dienstleister Kirron hat dabei auf ein einfach zu installierendes und am Ende preiswertes System von Promatix zurückgegriffen - mit erstaunlichen Ergebnissen.

Eine SMT-Linie produziert am effektivsten, wenn vor jedem System immer eine Baugruppe wartet, jedes System die fertige Baugruppe sofort abgeben kann und alle Bauteile, Materialien und Komponenten ausreichend vorhanden sind. Daraus ergeben sich folgende Fragen: Wo, wann, wie lange treten Störungen bzw. Unterbrechungen auf? Wer wartet auf wen? Wo liegen die Engpässe? Welchen Einfluss hat das Verhalten des Personals auf die Linien-Leistung? Wie exakt arbeitet die Materialflusssteuerung? Wie steht es um die Prozesssicherheit? Was nützen die besten Maschinen- bzw. Linienoptimierungsprogramme, wenn der Drucker, der Bestücker, der Lötofen, die AOI-Systeme, die Handarbeitsplätze die Baugruppe nicht rechtzeitig zugeführt bekommt, bemerkt Jürgen Brag (Bild 2) von Promatix, der erst vor kurzem die Installation des Linealyzers beim EMS-Dienstleister Kirron in Korntal bei Stuttgart organisiert hat. Bei Kirron sind zwei hochflexible Bestückungsautomaten miteinander so verbunden, dass sie gemeinsam oder einzeln genutzt werden können. Hier greift die Bestückerspezifische Optimierungssoftware normalerweise recht wirkungsvoll. Wenn man aber die Bestückung im Zusammenhang mit anderen Prozessschritten sieht, kommt unser Linealyzer zum Zuge. Geht man davon aus, dass es immer 3 bis 4 Systeme in einer SMT-Linie gibt, die das Potenzial haben, die Produktivität zu fördern oder auszubremsen, je nachdem wie der gesamte Fertigungsfluss optimiert wurde, ist es durchaus interessant, ganz einfach festzustellen wann und wie viele Baugruppen einem Prozess zugeführt werden und auch wann und wie viele Baugruppen wieder die Maschine verlassen.


Produktivität steigern
Wir haben bei Losgrößen von 1 bis 100 und manchmal 1 000 bis 10 000 natürlich immer wieder das Problem, dass wir uns eigentlich sicher sind, unsere Maschinen optimal ausgelastet zu haben, erläutert Philipp Spieß (Bild 2) von Kirron. Doch ganz genau wissen tun wir es eben nicht. Wenn wir wissen, welcher Auftrag auf uns zukommt und wie wir ihn am besten abarbeiten können, stützen wir uns auf Erfahrungswerte, deren Richtigkeit und vor allem Aktualität wir eigentlich nicht kennen. In Wirklichkeit - und das haben wir bei Promatix zum Anlass genommen unsere Systemlösung zu entwickeln - haben wir bei dieser für einen Dienstleister typischen Arbeitsweise aber immer wieder kurze, teilweise kaum wahrnehmbare Unterbrechungen, so Brag. Dazu kommt - und auch das liegt in der Natur der Sache - dass immer die vermeintlich wichtigste Störung zuerst beseitigt wird. Am Ende zählt aber der Output am Ende der Linie. Der Ansatz von Promatix ist es, Maschinen- Ein- und -Ausgänge quasi wie bei einem EKG kontinuierlich zu registrieren, um Unterbrechungen zeitlich genau detektieren zu können, damit Fehlerursachen überhaupt erkannt werden können und die Produktivität gesteigert werden kann.

Hören ohne zu stören
Hören ohne zu stören heißt, dass der Linealyzer (Bild 1) mit entsprechenden Interface-Detektoren vor und nach der Prozessmaschine via Netzwerkkabel verbunden wird, ohne den Betrieb der einzelnen Maschinen nur im geringsten zu stören. Wir waren erstaunt, dass die Installation von Promatix bezogen auf zunächst 3 Maschinen innerhalb von 3 Stunden erledigt war, ohne dass wir unseren Betrieb irgendwo unterbrechen mussten, betont Philipp Spieß. Auch irgendeine zusätzlich Tätigkeit von Seiten der Mitarbeiter während des laufenden Betriebes oder sonst wie ist nicht notwendig. Das System macht quasi seine Arbeit lautlos im Hintergrund, also ohne zu stören. Dafür ist es dann umso spannender die ermittelten Daten zu analysieren bzw. zu interpretieren. Hierzu bedurfte es natürlich schon einer 4-stündigen Schulung vom Hersteller.

Sehen und verstehen
Wenn man Produktivität als die Anzahl der gefertigten Baugruppen pro Zeiteinheit begreift, liegt es auf der Hand, dass man seine Kennzahlen pro Baugruppe, pro Auftrag, pro Schicht, pro Tag, pro Woche, pro Monat usw. kennen sollte. Wertvolle Kennzahlen erfährt man natürlich von vornherein, wenn man sich die Leistungsmerkmale einer Maschine bereits beim Hersteller abruft. Was in der verketteten Linie passiert, das kann man allerdings nicht so einfach erkennen, erklärt Jürgen Brag. Der Linealyzer registriert zeitlich exakt zugeordnet jede eingehende und ausgehende Baugruppe, erkennt so wo und wann eine Maschine konkret stillsteht und stellt diese Daten in grafisch komfortabel aufbereiteter Form zur Verfügung, damit der Fertigungsverantwortliche die Fehlerursache - und sei sie noch so banal - konkret festmachen und beseitigen kann.

Fazit: Wissen statt vermuten
Erstaunlich waren für mich die ersten Ergebnisse insofern, als dass ich ganz andere Maschinen im Verdacht hatte, die Produktion auszubremsen, als mir der Analyzer am Ende gezeigt hat, erläutert der Fertigungsverantwortliche Philipp Spieß. Es waren also andere Ursachen, als ich vermutet habe: Allein bezogen auf die Stunden eines Tages zeigt sich, dass früh morgens die Produktivität einfach durchweg schlechter ist, als am Mittag oder Abend. Da kommt man schnell zu dem Schluss, einmal über den Zeitpunkt von Pausen nachzudenken. Lohnt es sich wirklich nachmittags oder Abends ein neues Los zu fertigen? All solche Fragen würden ohne den Analyzer bei uns nicht ohne weiteres gestellt und vor allem beantwortet werden können. Die Transparenz, welche Auswirkungen eine bestimmte Maßnahme - seien es bestimmte Maschinenparameter, die Auswirkung einer Produkteinführung auf das AOI-System, ein Schichtwechsel etc. - wirklich nach sich ziehen kann, ist bei uns im Hause Kirron enorm größer geworden. Der Aufwand, sporadisch Informationen aus dem Linealyzer-System abzurufen ist minimal, eine Wartung ist nicht notwendig. Insofern hat sich der für uns auch noch durch ein attraktives Mietangebot überschaubare Invest mehr als gelohnt.

productronic 4 / 2009