AOI und AXI im Fokus

AOI und AXI im Fokus Volle Besetzung AOI und AXI im Fokus Gespanntes Zuhören

Visom Technologie-Forum 2008

Rund 250 Teilnehmer informieren sich in diesem Jahr über Themen rund um die Optische Inspektion und Röntgenprüfung bei Viscom in Hannover. Dabei wurde erstmals auch der neue Geschäftsbereich IP (Produkte für die Halbleiterinspektion) vorgestellt.

Die seit Mai 2006 börsennotierte Viscom AG verfügt derzeit über mehr als 350 Mitarbeiter mit Niederlassungen in Atlanta, USA, Singapur und Paris sowie Applikationszentren in San Jose, USA, Shanghai und Guadalajara, Mexiko. Weitere Servicecenter gibt es in Shanghai und Shenzen, China.

Grund genug in der derzeit weiter auf Wachstumskurs liegenden Viscom AG ihr jährliches Branchentreffen wieder einmal mit Bravour zu absolvieren.

Auftakt der zwei Veranstaltungstage zum Technologie-Forum 2008 war das Anwendertreffen für alle Viscom-Kunden. Das Workshop-Angebot reichte hier von der Benutzeroberfläche Easy Pro 3D über Zusatzfunktionen der neuen Software-Release bis hin zur Vorstellung der neuen 8M-Sensorik. Auch die Röntgeninspektion war mit Themen wie "Die Minuten-CT", "Einfache Wartung von Röntgenröhren" und "Semiautomatische Röntgenprüfung" vertreten. Am Mittag wurden die Besucher des Technologie-Forums von Volker Pape, Vorstand der Viscom AG, begrüßt. Er betonte, dass die Viscom als weltweit Nummer 2 im Bereich AOI und Nummer 1 in Deutschland und Europa momentan vor allem mit der 8-Mega-Sensorik voll im Trend liege. Das Wachstum erfolge hauptsächlich in Asien und weil man leichte Schwächen beim Vertrieb im Stammland Deutschland registriert hatte, wurde gerade für den deutschsprachigen Raum einiges getan.


Mögliche Zukünfte aufzeigen
Den Eröffnungsvortrag mit dem Thema "Automobile Trends und Innovationsprozesse" hielt in diesem Jahr Prof. Dr. Günter H. Hertel, ehemaliger Vice President Research & Technology Daimler Chrysler. Er machte deutlich, dass es bei Innovationen nicht darum geht, die Zukunft zu erkennen, die man für wahrscheinlich hält, sondern, dass es darum gehen muss Zukünfte (Plural) aufzuzeigen, die man für möglich hält. Eindrücklich verdeutlichte er anhand von vielen Beispielen aus der Automobilentwicklung, dass Strukturen der Gegenwart oft eben nicht fortschreibbar sind und dass es bei Innovationsprozessen wichtig ist, diese Umbrüche und Diskontinuitäten zu berücksichtigen - ein Thema, das viele Besucher in seinen Bann zog und auch nach dem Vortrag für rege Diskussionen sorgte.

OCR und Datamatrix
Matthäus Sigl, BMK Professional Electronics GmbH, informierte über den praktischen Einsatz von Klarschrift- und Datamatrix-Erkennung die Produktivität und Prüfqualität der AOI erhöht und so die Anzahl teurer Fehler sehr einfach verringern kann.

Chancen für Europas LP-Industrie
Michael Gasch, Data 4 PCB präsentierte anhand von umfangreichem Zahlenmaterial sehr eindrücklich und spannend die Veränderungen un der Leiterplattenindsutrie. So sieht er zwar weiterhin eine Verlagerung von Großserien nach China, aber macht auch auf den Trend aufmerksam, dass kleinere Abnehmer wieder zurückkommen, weil die in China ihre Anforderungen nicht so umgesetzt sehen, wie sie sich das wünschen - eine klare Chance für Deutschland und Europa, insbesondere wenn es um Prototypen, Kleinserien oder Produktneuanlauf und -auslauf geht. Er betrachtete die vielfältigen Einflussfaktoren der LP-Produktion und ging bei dem Vergleich chinesischer und europäischer Lieferanten auch auf die unsichtbaren Beschaffungskosten wie Liefer- und Transportzeiten, Qualifikation des Personals, Reisekosten u.v.m. ein. Letztendlich eine umfangreiche Betrachtung, die ein besseres Verständnis der Branche ermöglicht, die Treiber der Entwicklung benannte und so einen Blick in die Zukunft gewährt.

EMS, OEM und OMD
Carsten Franke, Geschäftsführer der Letron Electronic GmbH verstand es, viele Daten aufschlussreich und spannend aufzubereiten: Er referierte über die EMS-, OEM- und ODM-Branche, wobei der Original Design Manufacturer - der Hersteller von kompletten elektronischen Modulen und Geräten für z.B. weltweite Markenprodukte - stark an Dynamik gewinnt. In diesem Geschäft dominiert Taiwan mit 77,4% am weltweiten Umsatz. Allerdings werden auch die Schattenseiten deutlich: Schaffen es diese Unternehmen nicht, ihr jährliches Wachstum um 24% zu steigern, sehen sie sich sehr schnell als Übernahmekandidat. Die Elektronikindustrie in Deutschland, Europa und im weltweiten Vergleich zeigt, dass in Europa und noch mehr in Deutschland der Bereich der Industrieelektronik stark vertreten ist. Spezialisierte Anwendungen machen hier ein Gros der Aufträge aus. Innerhalb der Industrieelektronik ist es wiederrum die Medizintechnik, die hervortritt. Ebenso erfreulich, vielleicht aber auch langfristig wieder bedenklich ist der hohe Anteil der Automobilelektronik in Deutschland.

Vom Werden der Lunker
Um "Röntgen von BGAs - das Problem Lunker" ging es im Vortrag von Ronny Kirschner, Kirron GmbH & Co KG. Kirron, mittlerweile Spezialist bei der Röntgeninspektion, übernimmt auch Röntgendienstleistungen und hat schon viele Untersuchungen auf diesem Gebiet durchgeführt. Viele anschauliche Bilder zeigen, dass Lunker z.B. zur Brückenbildung und Kontaktabrissen oder zu schwachen Anbindungen führen. Verschärft wird das Problem dadurch, dass z.T. gleiche ICs mit unterschiedlich legierten BGA-Balls ausgeliefert werden, so dass ein unverändertes Lötprofil plötzlich zu Fehlern führen kann. Kirschner zeigte im Laufe seines Vortrags Wege, die geeignet sind, Lunkerbildung erheblich zu reduzieren. Das Highlight des Vortrags war ein Film, der das Aufschmelzen der BGAs und den Prozess der Lunkerbildung live zeigte. Dazu hat man einen speziellen Lötofen entwickelt, um innerhalb der Röntgenanlage löten zu können und so die Entwicklung der Lufteinschlüsse während des Reflows zu demonstrieren.

Silizium "durchleuchten"
Volker Pape und Taufiq Habib, beide Viscom AG, erläuterten, wie man "Silizium durchleuchtet, ohne zu röntgen". Dabei wurden die beiden neuen Infrarotprüfsysteme MX100IR und MX2000IR vorgestellt, die eine automatische, hochgenaue Inspektion von Halbleiterwafern garantieren und so eine ideale Lösung Lösung für die Prüfung von Bare-EWafern, Chips, MEMSWafer-Bonds, SOI und Flipchips sind. Taufiq Habib erklärte wie die patentierte Si-Thru-Technologie mit ihren Infrarot-Lichtquellen funktioniert, die Silizium in nahezu jeder Dotierung transparent werden lässt, so dass Inspektion auch innenliegender Fehler sehr einfach möglich sind.

AOI in der Praxis
Über den "Einsatz von AOI-Systemen bei einem EMS-Anbieter" berichtete Manfred Tillmann, Schlafhorst Electronics AG. Bei Schlafhorst wird eine optische Kontrolle nach jedem Fertigungsschritt durchgeführt. Überlagerte QS-Regelkreise sichern und verbessern dabei die Herstellungsprozesse eines Produktes in der Serie. Ergebnis: Das AOI-System führt zu reproduzierbaren Prüfkriterien und in der Serienfertigung damit häufig zu einer besseren Qualität bei gleichzeitig geringen Kosten. Wichtig, so Manfred Tillmann, ist eine ausreichende Testtiefe und die richtige Zusammenstellung und Reihenfolge der verschiedenen Messverfahren.

Viscom News
Zum Abschluss des ersten Tages kamen die Bereichsleiter von Viscom selbst zu Wort und informierten über die technischen Neuerungen ihrer jeweiligen Bereiche. Peter Krippner, Bereichsleiter SP (Serienprodukte), stellte u.a. die neue Bedienoberfläche Easy Pro 3D und das Prüfsystem S3088-II mit der neuen 8M-Sensorik mit On Demand HR vor. Neuerungen aus dem Bereich NP (Neue Produkte) wurden von Rolf Demitz erläutert. Schwerpunkte bildeten die Viscam-Technologie in Bond-Systemen und die Entwicklung einer universellen, orthogonalen Prüfzelle für kundenspezifische Anwendungen. Anschließend erläuterte Dr. Udo Emil Frank aus dem Bereich XP (Röntgeninspektion) die aktuellen Entwicklungen in der CT-Röntgenprüfung. Last but not least stellte Volker Pape, Vorstand Viscom AG, die neuen Infrarotprüfsysteme des neuen Geschäftsbereichs IP (Produkte für die Halbleiterinspektion) und deren Einsatzmöglichkeiten kurz vor.

Inspektionssysteme zum Anfassen
Im großzügig ausgestatteten Demoraum konnten die Besucher in individuellen Gesprächen die Einsatzbereiche bestimmter Prüftechnologien kennenlernen und sich über ihren speziellen Anwendungsfall informieren. Hier bot sich dann auch zum ersten Mal die Gelegenheit, das automatische Desktopsystem MX100IR für die Halbleiterinspektion näher in Augenschein zu nehmen.

Das Jahrhundert des Lichts
Zum Ende der Veranstaltungsreihe entführte Prof. Dr. Wolfgang Ertmer vom Institut für Quantenoptik der Leibniz Universität Hannover die Besucher in "Im Jahrhundert des Lichts" mit der Frage "Was macht Photonen eigentlich so sexy?". Sein spannender Vortrag mit großartigen Animationen zog trotz eines langen Tages die Zuhörer in seinen Bann. Er gab eine kurze Einführung in die Welt des Lichts und zeigte anhand von vielen Beispielen Bedeutung und Einsatz des Lasers.

productronic 4 / 2008